Sonntag, 23. Dezember 2018

Kino-Tipp: Die Schneiderin der Träume

In diesem Blog schreibe ich gewöhnlich nur etwas aus der Film- und Buchwelt, wenn es Asien oder Reiseabenteuer betrifft, da es doch primär ein Urlaubs- und Wanderblog sein soll. Dies ist nun einer von drei Asia-Filmen, die um Weihnachten herum hierzulande in den Kinos anlaufen. 

Rohena Gera inszenierte einen faszinierenden Indien- und insbesondere Bombay/Mumbai-Film, der mir sehr gut gefiel. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine junge Frau (Tillotama Shome) vom Lande, die als Dienerin bei einem reichen Ingenieur in Mumbai arbeitet – hoch über der Stadt in einem Wolkenkratzer. Sie ist für diese Luxuswohnung und die Bedienung des Herrn zuständig - Essen kochen, Betten machen und so. 

Der Mann, selbst etwas genervt von den indischen Klassenschranken, läßt ihr viele Freiheiten, so dass dass sie auch für zwei Stunden täglich zunächst bei einem Schneider im Basar zu lernen anfangen kann. Schnell merkend, dass sie dort nur ausgebeutet wird, aber nichts lernt, wechselt sie danach auf eine Nähschule, später wird der Herr ihr eine Singer-Nähmaschine kaufen, und sie wird bei einer Designerin anheuern. 

Aber darum geht es in diesem Film eher nur am Rande, denn im Mittelpunkt stehen die sehr starken gesellschaftlichen Ungleichheiten, Rollenverständnisse und Barrieren (Kasten) in der indischen Gesellschaft – ungefähr wie sie auch bei uns noch im 19. Jahrhundert herrschten. Hier wird es exemplarisch an dem Verhältnis vom Herrn zu seiner schönen Dienerin dargestellt, denn der Mann kann keineswegs machen, was er will oder sich wünscht; denn die Familie würde ihn verstoßen, wenn er seine Dienerin heiraten würde. Und auch die Dienerin kann nicht wie sie will, denn auch sie würde von Familie verstoßen werden oder in ewiger Schmach leben, wenn sie mit dem Herrn anbandelt. Und deshalb kündigt sie und geht. 

Neben der zarten Liebesgeschichte faszinieren hier auch die Bilder aus Mumbay. Ich muss in Erwägung ziehen, mir diese Stadt doch noch anzuschauen. 

Was leicht in eine unglaubwürdige Liebesgeschichte voller Klischees hätte abgleiten können, ist hier respektvolle Annäherung an eine Kultur und feinste Schauspielkunst in einem“, meint kunstundfilm.

1 Kommentar:

  1. Frohe Weihnachten!
    Moin Lutz,
    eine sehr gute und interessante Vorstellung, aus Erzählungen meines Weltenbummlers kenne ich bereits einiges und der Film wäre für mich etwas Besonderes. Wird notiert...

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