Dienstag, 6. März 2018

Eine Wanderung im Kölner Südwesten

Wenn man das fast schon frühlingshafte Wetter am Montag in Köln mit jenem vom letzten Samstag vergleicht, ist der Unterschied schon augenfällig. Das zeigt sich auch auf den Photos dieser Stadtwanderung am letzten Samstag. 

In Köln gibt es vereinzelt noch durchaus „merkwürdige“ Wege und Orte. Nachdem ich durch den Volksgarten ging und dem Höninger Weg nach Zollstock folgte, ging ich auf dem „Neuer Weyerstraßerweg“ durch überwiegend logistisch genutztes gewerbliches Gebiet und folgte dann einem unbenannten Weg entlang der Bahnlinie zum Militärring. 


>Fort IV, Volksgarten. Dieses Fort des älteren inneren Festungsrings wurde 1825 fertig gestellt. Normalerweise kommt man nicht rein, manchmal im Rahmen von Veranstaltungen aber schon.<



>Imkerei-Motiv, Neuer Weyerstraßerweg, Köln-Zollstock<

Dahinter kommt man zum Fort VII, das zum ehemaligen äußeren Festungsring von Köln gehörte, eine überraschenderweise zugängliche, tendenziell aber unheimliche, vielleicht auch gefährliche Ruine:


>Fort VII, Köln Zollstock. Diese Anlage gehört wie das weiter unten noch gezeigte Fort VI zum äußeren Festungsring. Diese Forts wurden in den 1870er Jahren gebaut. <


Ich hatte keine Taschenlampe dabei für tiefgreifende Erkundungen. 


 >Run for your life or die by his knife<

In den schmalen Gängen ist es schwarz wie die Nacht. An diesem Fort war ich wahrscheinlich zuvor noch nie. Benachbart liegt eine einsame Schrebergartenkolonie, durch die ich auch lief, aber es gibt keinen anderen Ausgang, weshalb ich wieder zurück musste. 

Danach kommt man in den Äußeren Grüngürtel. Ich ging über die Wiesen zum Decksteiner Weiher. Dabei querte ich die Luxemburger Straße. Diese Straße ist so ungefähr die Grenze der bekannten Welt meiner späten Kindheit (ab 12). 

Der Decksteiner Weiher war nicht so zugefroren wie ich erwartet habe. An manchen offenen Stellen gab es sehr viele Wasservögel. Sie schnorrten nach Futter. 


>Am Decksteiner Weiher, nahe Köln-Klettenberg<


Zu meinen Kindheitserinnerungen gehört auch, dass ich hier am Decksteiner Weiher mal eingebrochen bin und bis zur Hüfte im eiskalten Wasser stand. Tja, das ist ca. 45 Jahre her, aber manche finsteren „Erlebnisse“ vergißt man nie. 

Am Decksteiner Weiher liegt auch Fort VI: 


Dieser damals sehr unheimliche Ort gehört auch zu meinen Kindheitserinnerungen. Damals war alles noch sehr zugewachsen, selbst auf dem Dach des Forts wuchsen große Waldbäume. Mitten im Wald gab es da eine lange Treppe, die nach unten ins Fort führte. Der Eingang wirkte wie ein schwarzes Loch, wie ein Schlund. Der Ort zog uns manchmal magisch an, jedoch haben wir es nie geschafft, die Treppe bis nach unten zu gehen. Zu viel Angst, wir sahen Knochen und Skelette, flüchteten. Wirklichkeit und Einbildung liegen manchmal nah beieinander – und nach 45 Jahren ist auch den Erinnerungen nicht mehr wirklich zu trauen. Mein Onkel war Kapitän auf einem Bananendampfer. Er erzählte damals einmal/oft (?) von Festungsanlagen voller Skelette, die sie auf ihren Reisen gesehen hätten. Heute ist der Ort genutzt, teilsaniert, geschlossen und viel weniger interessant.

„Haus am See“, auch am Decksteiner Weiher gelegen. Die Minigolf-Anlage gab es auch schon in den 1970er Jahren; wir haben dort damals manchmal gespielt:


Die Aktivitäten dort sind heute bescheiden. Es gibt ein Restaurant, das gern für größere festliche Anlässe gebucht wird. Meine Mutter veranstaltete hier ihren 70. Geburtstag. Die Außenaktivitäten incl. Biergarten, Tretbootfahren etc. ruhen jedoch im Winter:


Ich ging weiter durch Lindenthal zur Bahnhaltestelle „Lindenthalgürtel“. 

Etwa 12,5 km war diese Tour lang. 

Über den Zustand der Festungsanlagen von Köln und ihre Geschichte könnt ihr bei wikipedia nachlesen.

Kommentare:

  1. Hallo Lutz :-)
    Interessante Anlage, wie ich finde. Für ein Kind doch Abenteuer pur. :-)
    Kindheitserinnerungen sind eine merkwürdige Sache. Ich kann mich zum Beispiel immer noch daran erinnern, das in den 70ern zwei Kinder in Salzgitter in ein gefrorenes Gewässer beim Schlittschuhlaufen eingebrochen und ertrunken sind. Da war ich vielleicht 10 oder 12 Jahre alt. Ich erinnere mich sogar jetzt noch daran, das dieses Gewässer in meiner Einbildung ein mit Backsteinen eingefasster, runder Teich mit einem hohen Gitter drum herum (Salzgitter) war. Vermutlich hatte ich dabei die runden Silos vor Augen, die bei uns metertief in der Erde und mit Unrat und Wasser gefüllt waren. Das dort reinklettern war uns strikt verboten. Auch wenn der Inhalt gefroren war und wir mit den Schlittschuhen darauf wollten.
    Komisch, das mir das im Gedächnis bleibt, obwohl ich weder Salzgitter, die Kinder oder den Teich dort kenne.
    Grüßli :-)

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    1. Ja, manche Dinge haben uns als Kind wohl schwer beeindruckt. Abenteuer pur, stimmt, aber dass wir eine Erlaubnis gehabt hätten, das Fort zu erkunden, kann ich natürlich auch nicht behaupten. Aber mit 12, 13 ist man damals meist "unbeaufsichtigtes Kind" gewesen; man hatte ein Fahrrad und konnte mit Freunden sonstwo hinfahren. Dieses Fort lag ca. anderthalb Kilometer weg von zu Hause.

      Wo du von runden Silos sprichst. Ich habe da noch eine ältere Kindheitserinnerung. Da waren wir gelegentlich bei Verwandten, die einen größeren Nutzgarten hatten. Dort gab es einen offenen Brauchwasserbrunnen, der meist dazu diente, mit einer Gießkanne Wasser für die Bewässerung der Gartenpflanzen zu schöpfen. Nach meiner Erinnerung war dieser Brunnen nicht eingefasst, sondern einfach ein rundes großes Loch im Boden, das meist bis oben hin mit Wasser gefüllt war. Vor diesem Brunnen wurde uns wohl auch erheblich Angst eingejagt.

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  2. Besonders schöne Bilder, das mit den Schwänen und das darüber mir den Bäumen!

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