Donnerstag, 19. Februar 2009

Borneo-Romane

Anläßlich meiner bevorstehenden Borneo-Reise. Nein, mit Borneo-Romanen kenne ich mich nicht gut aus, aber immerhin kenne ich zwei Romane.


Der britische Autor Redmond O'Hanlon schrieb den Roman “Ins Innere von Borneo" (1984), den ich jetzt gerade lese. Er ist Spezialist hinsichtlich der Beschreibung krasser, längerer Urwald-Trips und damit ziemlich bekannt geworden, auch wenn ihm die deutsche Wikipedia keinen eigenen Eintrag widmet.


O'Hanlon's Trip beginnt in Kapit, einer Kleinstadt in Sarawak, die auch heute noch im Reiseführer als Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis beschrieben wird und die nur mit dem Schiff erreichbar ist. Naja, da komme ich vielleicht ja auch noch hin - aber weiter, wohl eher nicht. O'Hanlon beschreibt, wie es so ist weiterzureisen, mit einem Freund und drei Führern, in kleinen Booten und dann in tagelangen Fußmärschen. Er war 37 Jahre alt, als er das Buch schrieb - und eigentlich zu alt für solche Strapazen, wie er einmal schreibt. Und ich werde so etwas daher ganz bestimmt nicht machen (können).


Im Buch steht viel über die Natur, die Einwohner, die Tiere und die zahlreichen “Viecher”, die einem neben dem unsäglichen Regenwaldklima das Leben schwer machen. Und zwischendurch wird immer wieder aus uralten Werken anderer Forschungsreisender zitiert.

Er schreibt über “die Borneo-Version der stinkenden Spitzmaus, eines kaninchengroßen Bündels von so abscheulichem Gestank, dass die Schweine sich in ihre Suhlen zurückziehen, die Bengalkatzen mit der Pfote über der Nase aus den Bäumen fallen und die Schnecken sich den Kopf in den Hintern stecken.”. 

Er zitiert die Sarawak Gazette vom April 1881: “In Judan, einem Dorf 6 Meilen von Muka, schliefen ein Mann und sein 10-12-jähriger Sohn in ihrem Haus unter einem Moskitonetz. .. Mitten in der Nacht wurde der Vater von seinem schreienden Sohn geweckt. .. Der Vater griff erregt hinüber und entdeckte, dass eine Schlange ihre Kiefer um den Kopf des Jungen geschlossen hatte; er brach das Maul des Reptils und befreite den Kopf seines Sohnes, aber die Bestie zog sich mit ihrem gesamten Körper in das Haus und umschlang den Körper des Vaters. ..” Mit Hilfe der Nachbarn gelang die Befreiung und die Tötung der 5 m langen Python.

Und er beschreibt z.B. seinen Kampf gegen die Blutegel “Ich schaute auf meine Beine. Und dann schaute ich noch einmal. Sie wimmelten von Egeln. .. Sie kamen meine Hosenbeine hoch, überkletterten die Knie, indem sie abwechselnd ihre vorderen und hinteren Saugnäpfe einsetzten, und bei jedem Festsaugen des Hinterteils hoben sie das Vorderteil in die Luft und schienen zu schnüffeln. Sie waren überall auf meinen Stiefeln, und drei besonders kühne Exemplare suchten einen Weg durch die Luftlöcher. Weitere waren unterwegs - sie kamen von allen Seiten über den Dschungelboden gekrochen, ihre feuchten brauen Körper halb von den verwesenden Blättern getarnt. ...”
Es ist zweifellos ein gutes Buch und jedenfalls Pflichtlektüre für Jene, die sich trotz der drückenden Hitze und der Nässe aufmachen wollen, tagelang durch Borneos Regenwald zu marschieren. Man bekommt ein sehr genaue Vorstellung davon, wie es sein wird, was man sieht und warum man es machen oder lieber nicht machen will.

Ansonsten, 25 Jahre ist eine lange Zeit, den primären Regenwald zu Zeiten O'Hanlon's wird man dort voraussichtlich kaum noch finden. Die Naturvernichtung hatte damals schon begonnen, und im Buch findet man auch diesen prophetischen Satz: “Du kannst sagen, was du willst, Siba, sehr bald wird es von unserem Land und unserem Dschungel nichts mehr geben. Nichts.

Die Amerikanerin Christina Godshalk schrieb 1998 den 600 S. starken Roman „Kalimantaan“. Da ich ihn schon vor 6-7 Jahren gelesen habe, kann ich über den genauen Inhalt nicht mehr so viel sagen. Er spielt ungefähr zwischen 1845 und 1875 - und vielleicht auch schwerpunktmäßig in Sarawak. Damals war das eine wilde Zeit. Die vielen Völkerschaften in Sarawak lebten nicht unbedingt friedlich miteinander, Feldzüge zwecks Kopfjagd waren üblich, die Macht des Sultans von Brunei schwand. In dieser Zeit kam dem Sultan ein englischer Abenteurer namens James Brooke zur Hilfe und erhielt für seine militärischen Verdienste Sarawak, das nach der gewaltsamen Einigung der Stämme damit praktisch ein eigenständiges Königreich wurde.

Die Entstehung dieses Königreiches, die Politik, Kämpfe, Sitten und Lebensbedingungen dort behandelt der Roman. Klar, im Roman spielt die Kopfjagd eine wichtige Rolle, auch Gefahren, etwa durch Leistenkrokodile werden plastisch beschrieben. Insgesamt ein interessantes und gut recherchiertes Buch!

Die Existenz des Königreichs endete übrigens im 2. Weltkrieg mit der Besetzung durch die Japaner. Nach dem 2. Weltkrieg war Sarawak kurze Zeit britische Kolonie, bis es sich 1963 zusammen mit Sabah und der malayischen Halbinsel zu Malaysia zusammenschloss.

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