Samstag, 3. Februar 2007

Koto Panjang - ein Dorf in den Bergen

c/o Happy Net Internetcafe, Bukittinggi
(nachdem das Harau Internetcafe seit gestern nicht mehr in der Lage ist, eine Verbindung aufzubauen).


Lin(-da) hat Bekannte und Verwandte in Koto Panjang, einem Dorf in den Bergen, unweit von Lintau. Wir fuhren mit dem Moped hin - eine Übernachtung war eingeplant. Das hätte eine sehr schöne Tour werden können, wenn das Wetter mitgespielt hätte. Hat es aber nicht.

Wir stoppten an einem Aussichtspunkt auf dem Weg nach Koto Panjang. Zu sehen war von der Landschaft aber eher wenig, am besten, man trinkt Tee zum Aufwärmen. Kein Sonnenstrahl, dichte Wolken, etwas Regen - und zu sehen war von den Bergen dementsprechend wenig. Die Temperaturen schwankten zwischen 22 und 24 Grad, Luftfeuchte 73-82 %.

Das Wetter verschlechterte sich zusehens. Wieder zurück, regnete es heute Morgen in Bukittinggi schon beim Frühstück - ich habe beschlossen, heute nix zu machen. Ich weiss nicht, kam es bei euch im TV? Halb Jakarta ist anderthalb Meter überschwemmt.

Bevor wir nach Koto Panjang gefahren sind, haben wir noch die notwendigen Lebensmittel für die Tour auf dem Markt eingekauft, u.a. ein Huhn, das direkt geschlachtet wurde. Ich glaube, diese Waren waren so eine Art Gastgeschenk, um gemeinsam kochen zu können, denn es war viel zu viel für uns allein.

Unterwegs haben wir noch unweit der Stadt Payakumbuh einen alten Minangkabau-Palast besucht: 



>Aussicht vom Palastgebäude<

Ich glaube, dort war ich vor 10 Jahren im Rahmen einer organisierten Tagestour schon einmal.


>Flußbrücke kurz vor Koto Panjang<



>Hauptstraße in Koto Panjang<

Im Dorf war es dann ein Haus am Dorfrand, mit Blick über Reisfelder und auf ein Kalkmassiv.


>Koto Panjang - das Haus, in dem wir übernachteten<

Ein modernes Haus mit einem großen, bestimmt 7 m hohen Innenraum und einer Steintreppe, die hoch zu zwei kleinen Zimmern führte - quasi fehlte also eine Zwischendecke. Bad unten integriert, Klo auf dem Hinterhof. Das ganze Haus wirkte innen etwas wie eine Gerümpelkammer, gut im Schuss war nur die Küchenzeile und die Stereoanlage mit TV.

Der Hausbesitzer und noch zwei Einheimische kamen hinzu, Gemüse und Huhn wurden zu Sop Soey verarbeitet, wir haben gegessen und der Hausbesitzer präsentierte ein paar Karaoke-Einlagen.

Naja, dieser erste Tag war nicht der Renner. Man weiss ja nie, worauf man sich einläßt, wenn man einfach so zu Bekannten von Einheimischen über Nacht wegfährt - meist ist die Erwartungshaltung einfach zu hoch angesetzt.

Wieder Erwarten habe ich einem der oberen Zimmer ganz gut auf einer Matratze geschlafen - trotz fehlender Bettdecke war es nicht zu kalt, und Moskitos sind zur Zeit fast gar nicht unterwegs. Gegen 8 Uhr gab es Kaffee und Kekse und ich machte mit Lin einen Spaziergang durch die Reisfelder und Dorfgärten.


>Koto Panjang: Durch die Reisfelder - Lin marschiert voran<



>Ententeich im Reisfeld<

Neben den üblichen bekannten Pflanzen wie Reis, Kokospalmen, Bananen wächst natürlich noch viel Anderes, auch andere Palmen, die Nüsse liefern. Auffallend sind die Rambutan-Bäume, die zur Zeit rote, stachelige Früchte hervorbringen, die gerade in Massen auf die Märkte kommen.

Gesehen haben wir noch Cassava- und Kaffeesträucher, Kakaobäume, ferner Fruchtbäume, die Früchte wie Mangostane, Rambai und Sawo (Breiäpfel) hervorbringen.


>Mangostane, aber die Frucht ist noch unreif, sollte im reifen Zustand lila sein<




>Sawo, engl. = Sapodilla, dt.: Breiäpfel - zu süß für meinen Geschmack<

Zuckerrohr, Papaya und Applerose (hellrote Früchte, die wie eine Mischung aus Apfel und Limone schmecken) kamen später hinzu.


>Apfelrose<

Nach dem Spaziergang zeigte uns der Hausbesitzer Fell und Schädel eines kürzlich in den Bergen geschossenen "Schwarzbären".

Mit einem Jungen brach ich per Moped zu einem Tal auf, in dem ein Fluss aus einer Höhle austrat. Es war sehr dunkel draußen, tiefgrau - und in diesem Tal unter den hohen Bäumen erst recht (nix für meine Camera). In der feuchten Schlucht gab's Schmetterlinge zu sehen:


Später gab's noch Kaffee und gebratene Nudeln, und Lin und ich traten die Rückreise durch die Berge an - eine andere Route. Das Wetter war weiterhin fast hoffnungslos, aber immerhin regnete es nicht. 



>Lin und unser Moped<

Wir kamen durch einige Dörfer im Minangkabau- Baustil, die noch ziemlich urtümlich aussehen. Es ist die spitzgiebelige gebogene Dachform, die diese Häuser auszeichnet.

Die folgenden Bilder müssen für sich selbst sprechen:










Die Wände der Häuser sind aus Bambus und Holz, aber die ursprünglich ebenso gemachten Dächer wurden längst durch Wellblech verdrängt, das inzwischen eine braunrote Farbe angenommen hat.


Die Häuser wirken sehr dunkel und erst recht bei dunkelgrauem Wetter - auf den Photos wirken sie fast nur schwarz. 


In zwei Dörfern haben wir angehalten, so dass ich etwas zu Fuß dort langlaufen konnte. Natürlich waren wir die Attraktion, da hier ganz selten Touristen langkommen. Freundliches scheues Lächeln, kein "Hello Mister" - auch in Koto Panjang übrigens nicht.






>Bei einem Hochzeitsbankett haben wir auch noch vorbeigeschaut - Photographieren verboten. Man konnte nur draußen photographieren.>



Auf dem Rückweg hielten wir noch bei einer archaischen kleinen Kaffeemühle an, angetrieben durch Wasserkraft - ein kleines Bächlein lief über ein  ca. 2 m großes Wasserrad. 



>Die Kaffeemühle<

Innen sechs Holzbalken, die auf die Kaffeebohnen einschlugen und eine alte Frau, die den Kaffee siebte:


Das war wirklich sehenswert - eine Technik, die in Mitteleuropa wohl vor mindestens 100 Jahren verschwunden ist. Natürlich kauften wir Kaffee.

Abends spielte ich mit Lin und anderen im Clocktower Cafe noch Karten: "Song", ein Spiel, bei dem man Reihen (wie Dame, König, As) oder identische Werte, etwa 3 Damen auslegt und derjenige ausscheidet, der keine Karte anlegen kann.

Vorhin habe ich herausgefunden, das vielleicht die Mandiri-Bank Reiseschecks wechselt. Das erzählte mir ein Einheimischer, der in Schottland wohnt, hier ein Cafe betreiben läßt und gerade für vier Wochen mal wieder zu Besuch ist. Er hatte selbst Schwierigkeiten, Reiseschecks zu wechseln. Der Niedergang in Bukittinggi bzw. Indonesien ist schon beträchtlich.

Morgen verlege ich meinen Sitz für ein paar Tage ein paar Kilometer weiter in die Vulkancaldera des Lake Maninjau. Mit Internet-Connection rechne ich eigentlich nicht.

(Restored, number of photos reduced, 13.01.2018)