Samstag, 24. August 2019

Bücherwelten: Ahmad Tohari „Die Tänzerin von Dukuh Paruk“

Ein Indonesien-Roman. Die Geschichte spielt überwiegend in einem kleinen Dorf auf Java, das von Reisfeldern umgeben ist und ist zeitlich ungefähr zwischen 1955 und 1962 angesiedelt. 

Erzählt wird von einem Jungen, der weitgehend ohnmächtig miterleben muss, wie sich seine junge, schöne Freundin zur Tänzerin (Ronggeng) und Dorfprostituierten ausbilden lässt. Das war ein angesehener Beruf, dessen Ausübung mit diversen Initiationsriten und Dorffesten zu Ehren der Ahnen einherging. Und sie, sowie der Dorfpriester und Dorfchef waren häufig die einzigen, die nennenswert Geld verdienen konnten. Am Ende der Ausbildung wird die Entjungferung regional an den Meistbietenden versteigert (jedenfalls in diesem Roman). 

Zur damaligen Zeit lebte man noch sehr einfach und risikoreich in den Dörfern. Gehungert wurde häufiger mal, wenn zu viel Regen oder zu viel Trockenheit die Ernte geschädigt hatten. Auch konnte die Ernährung sehr einseitig sein und spezielle Risiken bergen, etwa Vergiftungen. Der Roman beschreibt auch eine Reisfeld-Tierwelt, die es wohl selbst in Indonesien heute nicht mehr so geben wird. 

Der Autor Ahmad Tohari ist hierzulande wohl relativ unbekannt, auch wenn zwei oder drei Bücher mal bei einem vergleichweise unbekannten Verlag erschienen sind. Das Buch erschien ursprünglich 1982 (orig.: „Ronggeng Dukuh Paruk“) und wurde 1996 von dem kleinen Horlemann-Verlag im Rahmen seiner Südostasien-Reihe herausgebracht. Der Verlag existiert zwar immer noch, ist aber seit 2018 aus finanziellen Gründen nur noch im Kinder- und Jugendbuchmarkt verlagstechnisch aktiv. 

Zum zweiten Mal in 2011 in Indonesien unter dem Titel Sang Penari (The Dancer) erfolgreich verfilmt, denke ich nicht, dass ich diesen Film jemals zu sehen bekomme. 

Das Buch kann man antiquarisch, aber sogar auch als e-book kaufen. Es lohnt.

Sonntag, 18. August 2019

Wanderung Neanderthal – Mettmann

Am letzten Sonntag war ich – was selten vorkommt – nördlich von Köln unterwegs. Aber das Neanderthal ist gut von Köln aus zu erreichen, man fährt mit dem Zug nach Düsseldorf Hbf. und dann mit der S-Bahn weiter bis zur Haltestelle „Neanderthal“ (A). 

Ich ging dann zunächst Richtung Mettmann, da ich nahe der S-Bahn-Haltestelle einen großen Kalksteinbruch besuchen wollte. Versteckt und von Wald und hohem Zaun umgeben, musste ich zunächst einen „irregulären Eingang“ finden. Das klappte nach einigen Hundert Metern. Durch einen Waldstreifen kommt man bald zur Kante und sieht auf einen blauen See runter: 


>Oben nahe der Kante führt ein Weg lang, der wohl auch von Jeeps befahren werden kann. Wegen der Baum-/Strauch-Vegetation hat man aber nur selten wirklich gute Sicht.< 

Ich ging dann nach Mettmann. Ich glaube, in dieser Stadt mit ihren ca. 40.000 Einwohnern war ich noch nie. In der Altstadt gibt es ein paar nette Winkel und alte Häuser mit schwarzer Schieferverkleidung – man merkt also, dass man hier im Bergischen Land ist: 



Ich verließ Mettmann dann nach Süden. Dort wird intensiver Ackerbau auf den „Mettmanner Lößterrassen“ betrieben: 


Am Hof Schragen ging ich runter ins Neanderthal: 


Durch den Fund fossiler Überreste eines Urzeitmenschen ist das Tal ziemlich berühmt. Übermäßig viel bemerkte ich davon aber nicht, da die Masse der Touristen das Museum und die Gastronomie am Ausgang des Neanderthals besuchen, aber nicht groß im Tal wandern gehen. 


>Route. 16.3 km, 230 Höhenmeter hoch, 250 Höhenmeter runter< 


Ich ging etwa 5,5 km durch das Tal bis zum Museum. Es gibt dort Passagen mit beachtlich altem Buchenbestand und diverse „Attraktionen“. Als erstes kam ich zu den Ruinen eines Kalkofens, der dort bis in die 1930er Jahre in Betrieb war: 



Durch das Tal fließt die Düssel, und manchmal gibt es idyllische Teiche:



 >Im Neanderthal<



Auch einige Höfe und Wassermühlen passiert man:


 >Oben: Winkelsmühle, unten: Hof Eigen<



Am Ende – kurz vor dem bereits geschlossenen Museum – kommt man noch an einem historischen Steinbruch vorbei:


Sonntag, 11. August 2019

Bücherwelten: Hector und die Geheimnisse der Liebe

Der französische Psychiater und Schriftsteller François Lelord gibt sich als Experte in Sachen Liebe und Liebesbeziehungen. In „Hector und die Geheimnisse der Liebe“ (orig.: Hector et les secrets de l’amour, 2005) wird das Thema durchexerziert. 

Der Roman führt uns von Europa über diverse Stationen in Asien vor allem nach Kambodscha. Der Protagonist, natürlich selbst Psychiater und ein skrupelloser Pharmakonzern folgen einem alten Professor, der eine bahnbrechende Liebesdroge kreiert hat, die die unsterbliche Liebe verspricht, wenn sie von beiden Partner_innen gleichzeitig eingenommen wird. Hector, der Protagonist, hat sich ebenfalls infizieren lassen und gibt sich mit einer jungen Asiatin der hemmungslosen Liebe hin, während er fortlaufend Thesen über die Liebe in seinem Notizblöckchen notiert. 

In 2013 von mir entdeckt, ist das nunmehr schon der dritte Lelord-Roman, den ich gelesen habe. Es lohnt, die Geschichten sind meist sentimental-witzig geschrieben und auch in Deutschland sehr erfolgreich. 

Die Geschichte „basiert ganz offensichtlich auf Erich Fromms Standardwerk "Die Kunst des Liebens". Da mag der Intellektuelle die Nase rümpfen - das Buch trifft dennoch ins Schwarze“, meinte damals der stern.