Sonntag, März 20, 2011

Die Koboldmakis von Batuputih

Ich verliess Tomohon, fuhr mit einem ersten Minibus zum Terminal und mit einem zweiten nach Tondano und von dort mit einem Bus nach Girian. Es dauerte wohl eine gute Stunde, bis sich der Bus gefüllt hatte und los fuhr. In Sulawesi gibt es keine konkreten Abfahrtzeiten - der Bus fährt erst los, bis er auf den letzten denkbaren Platz gefüllt ist. Deshalb mache ich in Indonesien auch keine langen Busreisen mehr, denn die Chance auf Beinfreiheit liegt unweit vom Nullpunkt.

Ich saß direkt neben dem Fahrer - spezielle Einladung. Eine kurze, schöne, spannende Strecke ist es bis Airmadidi, die Berge runter, kein Erdrutsch versperrte den Weg, guter Blick auf den Vulkan Klabat.

In Girian brachte mich ein Minibus zunächst zum Abfahrtspunkt nach Batuputih. Dort stand ein Pritschenwagen bereit, aber auch ein Auto vom Tarsius Homestay. Ich entschied mich für das Auto, kostete zwar ca. 4 EUR, aber wer weiss, wie lange der offene Pritschenwagen da noch steht, bis er voll ist (12 oder 14 Personen). Ausserdem fährt er im Zweifelsfall auch noch mitten im Gewitter los.

20 km Fahrt. Im Tarsius Homestay stieg ich dann auch ab.

Batuputih

>Tarsius Homestay<

Großes Zimmer mit Fan und Moskitonetz, 11 EUR mit Vollpension, denn in Batuputih gibt es keine Restaurants. Bin einziger Gast hier gewesen, denn die meisten steigen im benachbarten Mama Roos ab, weil der Lonely Planet dieses als beste Wahl anpreist.

Klimadaten Zimmer mit Fan:

21 Uhr 30: 26.3 Grad, 95 % Luftfeuchte.

Die beiden Guest Houses liegen direkt gegenüber dem Eingang zum Tangkoko Dua Saudara Nationalpark, erst 50 m weiter beginnt dann das Dorf, das sich bis zum Meer und entlang des Meeres erstreckt.

Batuputih

>Bilder von Batuputih. Das obere Bild zeigt die für viele indonesische Dörfer typischen "Dorftore".<

Batuputih

Batuputih

Am frühen Nachmittag schlenderte ich durch das Dorf zum Meer - ein christliches Dorf, dafür braucht man keine Kirche zu sehen, sondern die vielen kleinen Schweinchen und die Hunde auf den Straßen belegen dies bereits. Katzen und Hühner sieht man natürlich auch, aber keine Ziegen.

Batuputih

Batuputih

Batuputih

Batuputih

Batuputih

Schwarzer Strand, malerische Bucht, viele kleine Auslegerboote im Meer. Man lebt vorzugsweise vom Fischfang und der Land- und Viehwirtschaft, nicht vom Tourismus.

Batuputih

>Am Strand. Oben Blick Richtung Batuputih, unten Blick Richtung Tangkoko Dua Saudara Nationalpark<

Batuputih

Um 16 Uhr ging ich zum Eingangsportal des Parks, zahlte ca. 7 € für Eintritt und Führer für eine ca. 2-stündige Tour. Hierbei ging es einzig um die Koboldmakis.

Tree Batuputih Tangkoko

>Würgefeige<

Nach ca. 2 km Weg kamen wir zu einer mächtigen Würgefeige, die einen Baum umschlungen hatte. Hier gibt es viele Hohlräume im Baum - und da haben die Koboldmakis ihre Schlafnester drin. Um diese nachtaktiven Tiere zu sehen, muss man die Schlafnester kennen, und in der Abend- und in der Morgendämmerung besteht dann die große Chance, sie zu sehen, wenn sie aufwachen und ihr Nest verlassen oder von ihren nächtlichen Ausflügen zurück kehren.

Erst sah man einen Koboldmaki, dann 2, dann 3, die - kaum ausgeschlafen - die nächste Umgebung des Baumes erkundeten, lange da saßen und auf die Touristen schauen.

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Die Guides haben Heuschrecken dabei, die sie auf die Stämme setzen, um die Koboldmakis herauszulocken. Irgendwann kommen sie dann raus, klettern auf dem Baum herum, springen blitzschnell zu den Heuschrecken, um sie zu greifen.

Grasshoppers Batuputih Tangkoko

>Ausgesetzte Heuschrecken<

Einfach süss, die Tierchen, aber photographisch stellt das Dämmerlicht-Spektakel hohe Anforderungen an die Camera. Ich hatte meine Stirmlampe dabei, um die Tierchen anzuleuchten, das war nicht schlecht, sonst sieht man auf dem Display nämlich fast gar nichts.

Vor 11 Jahren war ich schon mal hier; es hat sich wenig bis nichts geändert. Koboldmakis in Nord-Sulawesi zu beobachten, ist für mich eine Must-Do-Angelegenheit, auch wenn es klimatisch ziemlich extrem ist. Weiter im Westen des Sulawesi-Inselbogens gibt es noch zwei weitere Nationalparks, wo man Koboldmakis wohl beobachten kann. Ich kenne sie aber nicht. Der
Tangkoko Dua Saudara Nationalpark ist wohl der bekannteste und am leichtesten zu erreichende Nationalpark der Gegend.

Mit dem Essen gab sich das Guest House Mühe. Es gab 2 frisch gebratene kleine Fische mit Reis und Gemüse und eine Gemüsesuppe. Auch ein Bintang-Bier konnte ich ordern. Es ist eben doch etwas touristischer hier, auch wenn nur 3 Touristen an diesem ersten Abend da waren.

Am nächsten Tag stand ich um 5 Uhr auf, weil ich mit meinem Guide für einen morgendlichen 4-stündigen Dschungelpfad verabredet war. Wir gingen durch den Wald.

Jungle Strangler Fig Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

>Für einige Baumarten des Regenwaldes sind Brettwurzeln typisch. Auf Grund der geringmächtigen Humusschicht breiten sich die Wurzeln vorzugsweise horizontal aus, weil in der Humusschicht die meisten Nährstoffe zu finden sind. Die Brettwurzeln stabilisieren dabei den Baum.<

Tree Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

Tree Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

Jungle Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

Irgendwann kamen wir zu einer geschätzt 300 Jahre alten Würgefeige mit einem Stammumfang von 8 m oder so - ein Ökotop für sich.

Strangler Fig Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

>Würgefeige mit Verfasser dieses Beitrags<

Photobucket

Strangler Fig Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

Der Stamm, ein netzartiges Geflecht, in dem man drinnen im Baum 10 oder 20 m hochklettern kann - der alte Stamm des ursprünglichen Baumes längst verfault.

Strangler Fig Inside Tangkoko

>Giger'sche Strukturen im Innern der Würgefeige<

Strangler Fig Inside Tangkoko

Strangler Fig Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

Strangler Fig Inside Tangkoko

>Klettern im Baum? Obiges Bild zeigt den Verfasser, allerdings wurden diese Bilder ohne Blitzlicht aufgenommen<

Strangler Fig Inside Tangkoko


Strangler Fig Inside Tangkoko

>Mit Blitzlicht<

Strangler Fig Inside Tangkoko

Wir schlichen weiter durch den Regenwald auf der Suche nach Nashornvögeln und Makaken. Erstere sah ich leider zunächst nicht, hörte nur das Rauschen des Flügelschlags, als einer wegflog. Am nächsten Abend sah ich zwei wegfliegen, aber sehr hoch.

Jungle Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

>Irgendwann stirbt jeder Baum und stürzt dann um oder bricht ab. Das Bild zeigt einen riesiger Baumstumpf.<

Tree Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

Tree Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

>In diesen Baum konnte man unten auch reingehen, aber nicht hochklettern. Weiter oben sah man in der Schwärze mit der Taschenlampe Baum-Fledermäuse, die dort den Tag verschlafen.<

Eine große Affenhorde (ca. 15 Tiere) der Makaken fanden wir dann. Sie haben keinen Schwanz, ein Hinweis darauf, dass sie sich auch häufig am Boden fortbewegen. Sie sind schwarz.

Makaken Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

>Makaken<

Makake Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

Meine Camera ist sehr schlecht im Fokussieren auf schwarze Objekte, stellte ich fest. Überhaupt ist es nicht einfach, brauchbare Bilder im Regenwald hinzubekommen.

Gerne hätte ich noch eine Python gesehen, aber das ist mir noch nie gelungen. Später erzählte mir der Hauswirt vom Tarsius Homestay, der beste Weg sei, einer Affenhorde zu folgen. Viele Augen - und wenn die Schlange entdeckt wird, gibt's ein Riesengeschrei.

Später waren wir noch am Strand, schwarzer vulkanischer Sand, weisse Korallentrümmer, viele dem Meer stark zugeneigte Bäume.

Tangkoko

18 € hat die Tour gekostet - relativ viel. Die Hälfte bekommt davon bekommt der Guide, die andere Hälfte sackt der Staat ein - kaum anzunehmen, dass viel davon in den Park zurück fliesst.

Sagenhaft tolle Schmetterlinge fliegen hier rum: schwarz-gelb, orange-weiss, schwarz-blau, groß wie kleine Vögel. Ich kann sie nicht photographieren, kaum jemals sitzen sie mal ruhig irgendwo, flattern nur herum.

Abends machte ich erneut eine Kobaldmaki-Tour. Wir gingen zu einem anderen Schlafbaum, und es war wieder bezaubernd.

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Tarsier Batuputih Tangkoko

Später entdeckten wir auch zwei Kuskusen (Beuteltiere mit Greifschwanz) hoch in den Bäumen.

Kuskus

Der Guide meinte, ich solle mich glücklich schätzen, diese Tiere gesehen zu haben.

Eine handtellergroße schwarze Tarantel wurde auch noch angesteuert. Sie wohnte stationär in einer Baumrindenspalte, hatte auch ein paar junge Taranteln, die auf der Rinde herumkletterten.

Spider Tangkoko


Crab Tangkoko

>Diese gewöhnliche Krabbe stand hingegen nicht auf dem Programm. Aber manchmal fragt man sich eben, was einem da im Dunkeln im Wald so über den Weg huscht. Das Meer war immerhin mindestens 100 m entfernt.<

Klimadaten Batuputih, Meeresspiegelniveau (verschiedene Tage):

07 Uhr 00: 25.8 Grad, 94 % Luftfeuchte.
13 Uhr 10: 32.7 Grad, 72 % Luftfeuchte.
21 Uhr 30: 26.3 Grad, 95 % Luftfeuchte.
22 Uhr 40: 26.3 Grad, 95 % Luftfeuchte.

Am dritten Tag stand keine geführte Tour mehr an. Die meiste Zeit war ich am Strand im Nationalpark. Das war toll.

Tangkoko

Tangkoko

Ich filmte Makaken und herumlaufende Muschelkrebse. Für letzteres lag ich öfter im Sand auf dem Bauch, aufgestützt auf die Ellenbogen. Die tief geneigten Bäume boten den notwendigen Schatten, um dies zu tun.

Makaken Tangkoko Dua Saudara Sulawesi

MakakenTangkoko Dua Saudara Sulawesi

Tangkoko

Tangkoko

Tangkoko

Tangkoko

>Dieser kleine hier ins Meer mündende Fluß bildet die Grenze zwischen Batuputih und dem Nationalpark<

Tja, das hat mir so einige Sandflohbisse eingebracht, wie ich später feststellen musste (wird noch einige Wochen dauern, die Hautschäden zu beheben).

Unterkunft: auf dem Dach lebt eine Katze mit Jungen. Manchmal höre ich sie. Gelegentlich sehe ich auch die Katze, wie sie über Mauern und Dachbalken unter das Dach klettert bzw. runter kommt.

Cat

In der Hütte in Tomohon hatte ein Nagetier Zugang. Es vergriff sich an meinen Keksen und Bananen. Gesehen habe ich es nicht, wohl aber manchmal gehört, wie es bei den Plastiktüten raschelte. Im Nirvana-Hotel in Kota Ternate lebten mindestens eine Ratte, die ich gelegentlich durch's Hotel laufen sah und einige Kakerlaken.

Nach dem Strandbesuch wusch ich viel Wäsche, die leider am nächsten Morgen nicht trocken war. Ich warf hier aber auch viel weg: einen gelesenen Roman, 2 zerrissene Seidenhemden, 1 T-Shirt, Strümpfe, die Wanderstiefel. Ein Schuh hatte schon vor dem Urlaubsantritt eine geplatzte Naht, durch die Wasser in den Schuh trat. Ursprünglich wollte ich diesen Schaden im Urlaub reparieren lassen, aber kürzlich entdeckte ich einen tiefen Riss in der Sohle des anderen Schuhs. Ich habe dann entschieden, mich von den Schuhen (und deren Gewicht) zu trennen - habe in Deutschland sowieso schon neuere Wanderstiefel und was soll ich da mit zwei Paaren? Seidenhemden sind toll, weil sehr leicht und angenehm auf der Haut. Kommt man jedoch zu sehr ins Schwitzen, so dass sie auf der Haut kleben, reisst das Gewebe sehr schnell.

Das Essen im Tarsius Homestay war toll, jeden Tag anders. Und Bier kann man - wie schon gesagt - auch ordern. Es ist vor Ort nicht vorrätig, und manchmal schickt die Mutter die Kinder los, per Moped das Bier zu holen - sie sind doch wohl höchstens 10 oder irre ich mich da? Sie wissen jedenfalls, dass es kalt sein muss.

Ja doch, Batuputih kann für mich schon mal - jedenfalls für 3 oder 5 Tage - der tollste Ort der Welt sein.


(letzte Photos eingelesen am 31.03.2011)

3 Kommentare:

  1. Diese Koboldmakis sind ja von vorne ganz zauberhaft zum ansehen, aber der nackte immens lange schwanz.......rattenähnlich ;-((
    den eintritt in den nationalpark fand ich auch teuer, denn 7 € ist ja nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, daß man gut und gerne "nur" 12-14 euro für ein hotelzimmer berappen muß. je touristischer es zugeht, desto höher werden die preise.
    kommt mir irgendwie bekannt vor.
    bilder kommen noch?

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  2. Nachtrag
    Diese Würgefeige kannte ich natürlich auch noch nicht. Schon sehr eigen diese Art.
    Da habe ich bei youtube einen Mini_Film über einen Koboldmaki gefunden - wenn Du magst, schau diese paar Sekunden an - wie dieses Tier die Augen verändert - unglaublich ;-)
    http://www.youtube.com/watch?v=_WYiIOO690E

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  3. Die Eintrittspreise sind einfach staatlich festgelegt - im Vergleich zu afrikanischen Nationalparks ist es in Indonesien dennoch immer noch sehr günstig.

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